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Sauber ist nicht gleich rein: Was Reinigungsvalidierung im Pharmabereich wirklich bedeutet

Sauber ist nicht gleich rein: Was Reinigungsvalidierung im Pharmabereich wirklich bedeutet

03.04.2025

In der pharmazeutischen Herstellung steht eines über allem: Produktqualität und damit die Sicherheit der Patient*innen. Damit Arzneimittel von gleichbleibend hoher Qualität sind, kommt der Reinigung und ihrer Validierung eine zentrale Bedeutung zu. Besonders in Reinräumen – die zwar sicher wirken, aber keineswegs frei von Risiken sind – müssen Verunreinigungen und Kreuzkontaminationen systematisch vermieden werden. Der europäische GMP-Leitfaden (Good Manufacturing Practice) schreibt hierfür klare Anforderungen vor, die jedes Unternehmen erfüllen muss.

Warum ist die Reinigung im Pharmabereich so wichtig?

Reinräume dienen dazu, die Anzahl von Partikeln, Mikroorganismen und anderen Verunreinigungen auf ein absolutes Minimum zu reduzieren. Diese kontrollierten Umgebungen sind essenziell für die Herstellung steriler und hochwirksamer Produkte – denn jede Kontamination kann die Sicherheit als auch die Qualität des Endprodukts und damit die Gesundheit der Patient*innen gefährden. Besonders bei Mehrproduktanlagen, in denen verschiedene Wirkstoffe in denselben Anlagen hergestellt werden, besteht ein erhöhtes Risiko für Kreuzkontaminationen. Deshalb müssen nicht nur die Reinigungsverfahren gründlich durchgeführt werden – sie müssen auch nachweislich wirksam sein. Doch Reinigung allein reicht nicht: Erst durch die Validierung – also den dokumentierten Nachweis, dass das Verfahren unter realen Bedingungen zuverlässig wirkt – erfüllt sie die Anforderungen der Guten Herstellungspraxis (GMP).

Die Wahl der richtigen Materialien

Die Materialien, die in Reinräumen zum Einsatz kommen, spielen eine entscheidende Rolle. Sie müssen leicht zu reinigen und resistent gegen häufig verwendete Reinigungsmittel sein. Typischerweise werden Materialien wie Edelstahl, Glas, spezielle Kunststoffe und Beschichtungen verwendet. Sie sind nicht nur robust, sondern minimieren das Risiko, dass sich Rückstände oder Mikroorganismen auf Oberflächen ablagern.

Vorteile
Hygienische Oberflächen
: Glatte Materialien wie Edelstahl lassen sich leicht reinigen und desinfizieren.
Beständigkeit: Diese Materialien widerstehen aggressiven Chemikalien, die für die Reinigung notwendig sind.

Nachteile
Kosten
: Hochwertige Materialien wie Edelstahl sind teilweise teuer in der Anschaffung.
Empfindlichkeit: Einige Kunststoffe könnten empfindlich auf aggressive Reinigungsmittel reagieren und beschädigt werden.

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Reinigungsverfahren und ihre Validierung

Um sicherzustellen, dass die Oberflächen in Reinräumen vollständig von Verunreinigungen befreit sind, werden verschiedene Reinigungsverfahren eingesetzt. Diese Verfahren müssen regelmässig validiert werden, um den Anforderungen der GMP gerecht zu werden – das bedeutet: Der Nachweis muss erbracht werden, dass die Reinigung unter realen Bedingungen wirksam, reproduzierbar und nachvollziehbar ist. Zwei gängige Methoden sind:

SWAB-Verfahren (Tupfermethode):
Dabei wird mit einem sterilen Tupfer gezielt eine definierte Oberfläche abgerieben, um mögliche Rückstände aufzunehmen. Diese Methode eignet sich besonders für glatte, gut erreichbare Flächen. Ihr Vorteil liegt in der präzisen Lokalisation der Probenahme – jedoch ist sie in verwinkelten oder schwer zugänglichen Bereichen nur eingeschränkt zuverlässig.

Rinse-Methode (Spülverfahren):
Bei diesem Verfahren wird eine definierte Flüssigkeitsmenge durch das zu überprüfende System gespült. Die dabei entstehende Spüllösung wird anschliessend auf Rückstände analysiert. Besonders geeignet ist diese Methode für komplexe Anlagen wie Rohrleitungen oder Tanks. Allerdings lässt sich damit nicht exakt bestimmen, von welcher Stelle im System die Rückstände stammen.Partikelmonitoring und mikrobiologische Kontrollen

Partikelmonitoring und mikrobiologische Kontrolle

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Reinraumhygiene ist das Partikelmonitoring. Hierbei wird kontinuierlich überprüft, ob die Luft in den Reinräumen den geforderten Reinheitsgraden entspricht. Ziel ist es, eine zu hohe Konzentration an luftgetragenen Partikeln – etwa Staub oder Abrieb – frühzeitig zu erkennen und zu verhindern. Ergänzend dazu kommen mikrobiologische Tests zum Einsatz, bei denen geprüft wird, ob sich Keime wie Bakterien oder Pilze im Reinraum befinden. Beide Verfahren zusammen gewährleisten, dass sowohl unbelebte als auch belebte Verunreinigungen unter Kontrolle bleiben – ein Muss für die Herstellung sensibler pharmazeutischer Produkte.

Herausforderungen in der Analytik

Die Wahl der richtigen analytischen Methode ist entscheidend, um die geforderten Grenzwerte – etwa den Limit of Detection (LOD) und Limit of Quantification (LOQ) – zu erreichen. Dabei stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung, die je nach Produkt, Reinigungsmittel und erwarteter Verunreinigung variieren:

Optische Methoden
 wie IR und UV/VIS
Trennverfahren
wie HPLC oder Gaschromatografie
Elektroanalytische Verfahren wie pH-Messung oder Leitfähigkeitsbestimmungen
Spezielle Methoden wie der TOC-Test (Total Organic Carbon) zur Bestimmung organischer Verunreinigungen.

Die Herausforderung besteht darin, eine Methode zu wählen, die ausreichend empfindlich ist, um auch kleinste Rückstände nachzuweisen. Gleichzeitig sollte die Methode praktikabel und effizient in der Anwendung sein.

EU-GMP-Leitfaden: Was steht zur Reinigung und Reinigungsvalidierung?

Die europäischen GMP-Richtlinien geben in mehreren Kapiteln klare Vorgaben zur Reinigung und Reinigungsvalidierung. Diese sind entscheidend, um die Qualität und Sicherheit von Arzneimitteln dauerhaft zu gewährleisten.

EU-GMP-Leitfaden Teil I, Kapitel 3: Räumlichkeiten und Ausrüstung

Dieses Kapitel befasst sich mit den Anforderungen an Räumlichkeiten und Ausrüstung in der Produktion. Für die Reinigung und Reinigungsvalidierung gelten die folgenden wichtigen Punkte:

Design von Räumlichkeiten und Ausrüstung: Räume und Geräte müssen so gestaltet sein, dass eine effektive Reinigung möglich ist. Kreuzkontamination und Ansammlung von Staub oder anderen Verunreinigungen müssen verhindert werden.

Vermeidung von Kreuzkontamination: Die Produktions- und Reinigungsverfahren müssen so gestaltet sein, dass das Risiko einer Kreuzkontamination minimiert wird. Dies ist besonders in Mehrproduktanlagen wichtig.

Materialwahl: Alle Oberflächen, die mit Arzneimitteln oder deren Bestandteilen in Berührung kommen, müssen leicht zu reinigen sein und keine Rückstände hinterlassen.

EU-GMP-Leitfaden Teil I, Kapitel 5: Produktion

In Kapitel 5 finden sich die Anforderungen zur Vermeidung von Kontamination und Kreuzkontamination sowie spezifische Vorgaben zur Reinigungsvalidierung:

Kontaminationskontrolle: Es müssen geeignete Massnahmen getroffen werden, um Verunreinigungen zu verhindern, einschliesslich der Kontamination durch Rückstände früherer Produktionen (Carry-over).

Kreuzkontaminationsprävention: Bei der Herstellung verschiedener Produkte in derselben Anlage müssen strengere Massnahmen ergriffen werden, um eine Kreuzkontamination zu verhindern. Dies erfordert validierte Reinigungsverfahren.

Reinigungsverfahren: Es müssen schriftliche Anweisungen (SOPs – Standard Operating Procedures) für die Reinigung von Produktionsausrüstung und Räumlichkeiten vorhanden sein.

Diese Anweisungen sollten klare Vorgaben für:

    • Häufigkeit der Reinigung
    • verwendete Reinigungsmittel
    • zu reinigende Oberflächen und Geräte
    • Überwachung der Reinigungsprozesse und Freigabekriterien
    • Kontrollmassnahmen (z. B. Partikelmonitoring) enthalten.

EU-GMP-Leitfaden Teil I, Kapitel 5: Produktion

In Kapitel 5 finden sich die Anforderungen zur Vermeidung von Kontamination und Kreuzkontamination sowie spezifische Vorgaben zur Reinigungsvalidierung:

Kontaminationskontrolle: Es müssen geeignete Massnahmen getroffen werden, um Verunreinigungen zu verhindern, einschliesslich der Kontamination durch Rückstände früherer Produktionen (Carry-over).

Kreuzkontaminationsprävention: Bei der Herstellung verschiedener Produkte in derselben Anlage müssen strengere Massnahmen ergriffen werden, um eine Kreuzkontamination zu verhindern. Dies erfordert validierte Reinigungsverfahren.

Reinigungsverfahren: Es müssen schriftliche Anweisungen (SOPs – Standard Operating Procedures) für die Reinigung von Produktionsausrüstung und Räumlichkeiten vorhanden sein.

Diese Anweisungen sollten klare Vorgaben für:

    • Häufigkeit der Reinigung
    • verwendete Reinigungsmittel
    • zu reinigende Oberflächen und Geräte
    • Überwachung der Reinigungsprozesse und Freigabekriterien
    • Kontrollmassnahmen (z. B. Partikelmonitoring) enthalten.

EU-GMP-Leitfaden Teil I, Kapitel 6: Qualitätskontrolle

Kapitel 6 legt die Anforderungen an die Qualitätskontrolle fest, einschliesslich der Überprüfung der Reinigung und der Reinigungsvalidierung:

Validierung der Reinigungsverfahren: Die Reinigungsverfahren müssen validiert werden, um sicherzustellen, dass sie effektiv sind und keine Rückstände von Wirkstoffen, Reinigungsmitteln oder mikrobiologischen Verunreinigungen hinterlassen.

Analytische Methoden: Es müssen geeignete analytische Methoden verwendet werden, um die Reinigungsergebnisse zu überprüfen, wie z. B.:

    • SWAB-Verfahren: Direkte Probennahme von Oberflächen.
    • Rinse-Methode: Analyse der Spülflüssigkeit aus Reinigungsvorgängen.

Grenzwerte für Verunreinigungen: Akzeptanzgrenzwerte müssen festgelegt werden, um sicherzustellen, dass die Reinigung ausreicht. Diese Werte richten sich nach der Toxizität, der Potenz des vorherigen Produkts und den betrieblichen Standards.

EU-GMP-Leitfaden Teil III: Leitlinien zur Reinigungsvalidierung

Dieser Teil des EU-GMP-Leitfadens liefert spezialisierte Richtlinien zur Reinigungsvalidierung. Die wichtigsten Punkte umfassen:

Risikobasierter Ansatz:
Die Notwendigkeit und der Umfang der Reinigungsvalidierung hängen von der Art des Produkts und des Produktionsprozesses ab. Hochpotente Wirkstoffe erfordern strengere Validierungsverfahren.

Worst-Case-Szenarien: Reinigungsvalidierungen sollten auf den schwer zu reinigenden Oberflächen und Geräten durchgeführt werden, die am stärksten kontaminiert sein könnten.

Probenahme: Es sollten mehrere Methoden zur Probenahme angewendet werden, um die Effektivität der Reinigung zu überprüfen. Dies umfasst:

    • Oberflächenprobennahmen mit SWABS
    • Spülflüssigkeitsproben (Rinse)
    • Produktnachfolgeanalysen (z. B. in der Folgecharge)

Wiederholte Validierung: Reinigungsverfahren müssen periodisch überprüft werden, insbesondere nach Änderungen an der Ausrüstung, am Produkt oder am Prozess.

EU-GMP-Leitfaden Anhang 15: Qualifizierung und Validierung

Anhang 15 enthält spezifische Anforderungen für die Validierung von Reinigungsverfahren:

Akzeptanzkriterien: Es müssen quantitative Akzeptanzkriterien festgelegt werden, die auf toxikologischen Bewertungen und der Potenz des Produkts basieren. Dazu gehören:

    • Grenzwerte für Rückstände von Wirkstoffen
    • Akzeptable Mengen von Reinigungsmittelrückständen
    • Mikrobiologische Kriterien für saubere Oberflächen


Stichprobenplanung: Die Häufigkeit der Probenahme muss festgelegt und ausreichend dokumentiert werden, um statistisch relevante Ergebnisse zu erhalten.


Grenzwerte und Sicherheit: Die Berechnung von Grenzwerten für Rückstände basiert oft auf der maximal zulässigen Exposition eines Patienten (MACO – Maximum Allowable Carry Over).

Reinigung und Reinigungsvalidierung: Outsourcing als sinnvolle Option

Viele Unternehmen entscheiden sich, die Reinigung und Reinigungsvalidierung an spezialisierte Labore auszulagern. Diese verfügen über das nötige Fachwissen, um die gesetzlichen Vorgaben wie die PIC/S-Guidelines oder die ICH-Richtlinien einzuhalten und bieten zudem eine Vielzahl an hochmodernen Analysemethoden. Der Vorteil liegt auf der Hand: Unternehmen können sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren, während die Labore die notwendigen Routinearbeiten übernehmen.

Fazit

Reinigung im Pharmabereich ist kein „Putzen auf Sicht“ – sondern ein kontrollierter, validierter Prozess mit klaren Grenzwerten und hoher Verantwortung. Gerade in Reinräumen, wo unterschiedliche Wirkstoffe verarbeitet werden, ist jedes nicht entfernte Rückstandsmolekül potenziell ein Risiko. Nur wer Reinigungsverfahren nicht nur durchführt, sondern auch wirksam belegt, erfüllt die Anforderungen der GMP – und schützt damit Produkte, Prozesse und vor allem: Patient*innen. Der Aufwand mag hoch erscheinen – aber er ist der Schlüssel zur Sicherheit.

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